Pressestimmen

Bericht vom 11. Dezember 2012 im "Mannheimer Morgen"

Bläserphilharmonie: Festlicher Ausklang des Jubiläumsjahrs
Nikolauskonzert im Mozartsaal des Rosengartens

Musizieren für den guten Zweck

Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

Vor dem Nikolauskonzert und während der Pause schwärmen sie mit ihren kleinen Jutesäckchen im Foyer des Rosengartens aus. Die Mädchen und Jungen des Kinderheims St. Josef verkleiden als Nikoläuse, mischen sich unter die Besucher und bieten Süßigkeiten an. Eine Spende als Gegenleistung ist willkommen; sie darf aber auch in den weit geöffneten Koffern der Mannheimer Bläserphilharmonie landen.

Sie führt die Benefiz-Veranstaltung seit 2006 gemeinsam mit dem Deutsch-Amerikanischen Frauenarbeitskreis (Dafak) durch. Der Erlös wird für die Orchester- und Jugendarbeit der Bläserphilharmonie verwendet und kommt auch dem Sozialfonds des Dafak zugute, der unter anderem das Heim St. Josef unterstützt. Dessen rot gewandete Abgesandte mit den Zipfelmützen haben einen tollen Job; sie dürfen ein bisschen Bescherung spielen und im Mozartsaal das Konzert verfolgen.

Es steht dieses Jahr unter dem Motto "Ein Fest für die Mannheimer Bläserphilharmonie und andere Jahrestage". Damit enden die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen. Dazu gehören zum Beispiel der Wettbewerbsgewinn in Prag und die denkwürdige Wassermusik im Luisenpark mit Platzregen und viel bestauntem Feuerwerk. Dirigent Markus Theinert ruft noch einmal die Erinnerung an die schwierigen Gründerjahre wach, als Stefan Fritzen sein winziges Ensemble entgegen allen Unkenrufe großzog.

Diese 25 taucht noch hier und da in seinem Geburtstagsständchen-Programm auf. Die Beiträge wurden meist zu besonderen Ereignissen bei namhaften Komponisten wie Dimitri Schostakowitsch "Festliche Ouvertüre") oder Antonin Dvorak ("Festlicher Marsch") in Auftrag gegeben. In den feierlichen Trubel mischt sich auch die "Music for a Festival" des sehr geschätzten Briten Philip Sparke. Der schlägt zwar musicalnahe Töne an. Aber im Wesentlichen rückt das Konzert würdige Klassiker in den Mittelpunkt.

Wie kommen diese Klänge bei den Nikoläusen an? Na ja, so ganz nach ihrem Geschmack sind die schmetternden Fanfaren und Märsche nicht. Doch die erste Begegnung mit den Bläserphilharmonikern bleibt nicht ganz ohne Wirkung: "Interessant, mal was anderes zu hören!" Ihre Welt ist nun mal der Pop. Und davon verstehen die Konzert-Neulinge etwas, denn sie spielen selbst Instrumente. Marvin sitzt am Schlagzeug und Lonteshia am Keyboard. Julian hat sich für die Gitarre entschieden. Nur Simo geht eigenen Hobbys nach: Fußball und Trainieren bei der Boxerlegende Charly Graf.

Um das Thema "Gedenktage" fortzusetzen, lässt Theinert eine Ouvertüre des jungen Anton Bruckner, Jules Massenets mitreißende Ballettmusik zu "Le Cid" und Tschaikowskys berühmt-berüchtigte "Ouvertüre 1812" folgen. Seiner wie immer aufschlussreichen Moderation ist zu entnehmen, was er an diesen Werken schätzt: Sie fordern den 80 Musikern und Musikerinnen ein Höchstmaß an Konzentration ab.

Besonders Tschaikowskys pompöser Kanonendonner verlangt nach glühender Intensität. Der lang anhaltende Applaus ruft nach einer Zugabe. Ein romantisch verbrämtes Arrangement des Hirtenliedes "Quem pastores laudavere" von Philip Sparke setzt den Schlusspunkt. Am 10. März steht die Bläserphilharmonie wieder auf der Bühne und gibt ihr 21. Rosengartenkonzert.

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Info: Mannheimer Bläserphilharmonie

Die Mannheimer Bläserphilharmonie ist, damals noch als "Sinfonisches Jugendblasorchester Mannheim", 1987 vom ehemalige Soloposaunisten der Sächsischen Staatskapelle, Stefan Fritzen, an der Musikschule gegründet worden.

2005 machte sich das Orchester, da viele Musiker aus Alter und Anforderungsprofil der Musikschule herausgewachsen waren, selbstständig.

Der Trägerverein hat über 260 Mitglieder; das Orchester umfasst rund 80 Musiker im Alter von 14 bis 35 Jahren (Schüler, Studenten, Auszubildende und junge Berufstätige).
 
Seit 1989 verbucht das Orchester nahezu jährlich Erfolge bei internationalen Wettbewerben (1997 und 2001 jeweils erster Preis Weltmusikwettbewerb in Kerkrade, 2006 und 2012 erste Preise beim internationalen Festival für Bläsermusik Prag).

Das Nikolauskonzert ersetzt den bis einschließlich 2001 vom Deutsch-Amerikanischen Frauenarbeitskreis ausgerichteten Nikolausball im Rosengarten. (pwr)

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 11.12.2012

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