Pressestimmen



Bericht vom 15. Oktober 2011 im "Mannheimer Morgen"

Die Ladys der ersten Stunde

Deutsch-Amerikanische Runde: Die Ladys der ersten Stunde bei der Vereinsgründung im Jahr 1951.                                                                                                                      

Bild: DAFAK-Archiv

Jubiläum: 60 Jahre Deutsch-Amerikanischer Frauenarbeitskreis / 140 Ladys halten Benefiz-Banner hoch

"Happy Birthday" im Club

Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Räuchle

Kein Kaffeekränzchen-Club der besseren Gesellschaft, auch kein Smalltalk-Zirkel mit feinem femininem Touch. Nein, beim Deutsch-Amerikanischen Arbeitskreis liegt die Betonung auf Arbeit, auf helfen, wenn Not am Mann ist, zupacken, wenn anderen die Kraft fehlt. Sie ziehen die Karre - in aller Freundschaft: Vor 60 Jahren gründete sich auf Anregung der amerikanischen Zivilverwaltung der Service-Club. 30 Mannheimerinnen, allen voran Mannheims First Lady Anneliese Reschke, und 30 Offiziersladys bauten das Benefiz-Unternehmen auf, das bis heute seine soziale Stellung in der Stadt hält - auch wenn die US-Army sich zurückzieht, auch wenn inzwischen keine amerikanische Lady mehr im Vorstand ist: Der Dafak bleibt, feiert "happy Birthday" mit einem Heer von 140 Mitstreiterinnen.

Im Keller läuft die Geldbeschaffung in Nachkriegs-Zeiten an: Im damaligen Kaufhaus Vetter richten die Damen einen "Thrift Shop" ein, verkaufen Second-Hand-Kleider, meist Abgelegtes von den Amerikanerinnen, die modisch vollkommen ausgehungerten Frauen reißen sich um die modisch so extravaganten Shirts und Skirts der Besatzungsmacht. Die Thrift-Einnahmen werden ganz schnell verheizt: man betreibt Wärmestuben für die Durchgefrorenen in Notquartieren, die Flüchtlinge...

Schufterei lohnt sich

Im Sommer setzen die Aktivistinnen auf Luft und Licht, der Club schafft Liegestühle an, vermietet im Oberen Luisenpark Plätze an der Sonne. Man braucht jede Mark. Weihnachtsmärkte mit Budenstadt und Sektbar vor dem Rosengarten werden organisiert, dann 1955 der legendäre Nikolaus-Ball als Charity-Event - nach amerikanischem Vorbild ins Leben gerufen. Ein gesellschaftliches Ereignis, das bis 2001 für sehr lebhafte deutsch-amerikanische Schwingungen und schöne Benefiz-Erträge sorgt.

Beste "Connections" bestimmen das Clubleben, man bestaunt die Riesen-Kühlschränke, die Cadillacs im Carport vom Benjamin-Franklin-Village, genießt T-Bone-Steak vom Holzkohlengrill und revanchiert sich mit einer Bowle-Party...

1982 wird eine neue, alte Geldquelle erschlossen, die bis heute fürs karitative Dafak-Geschäft sprudelt. In der Feuerwache eröffnet Ingeborg Hohagen, die damalige Präsidentin, den Pfennigbasar. Von Anfang an ein Massenereignis. "It's a hard work" an der Bananenkistenfront, doch die Mühe lohnt, mit der Plackerei machen die Deutsch-Amerikanischen ein Vermögen: Inzwischen über 1,5 Millonen Euro haben die Frauen mit Second-Hand-Spenden erwirtschaftet.

Vom Eierkocher über den Schirmständer bis zum Persianer wird alles recycelt. Leider, so klagen die heutige Chairlady Christine Müller und Pressesprecherin Traudl Knab, hat die Qualität der guten Gaben mit dem Ende regelmäßiger Sperrmüll-Abholungen etwas gelitten. Es werden auch Ekelpakete abgegeben vor der Variohalle des Rosengartens, wo der Pfennigbasar seit 2000 über die Bühne geht. Aber Augen zu und durch, um der guten Sache willen.

Der Dafak hält Kurs auf deutsch-amerikanischer Linie, in guten, wie in bösen Tagen. Krisen und Kriege, man steht zusammen, und der Geist der Gründerinnen wird beim Gala-Büfett am Dienstag, 18. Oktober, im Tree Olive im Mercure Hotel in F 7, wo Alt-Oberbürgermeister Gerhard Widder die Festrede hält, die ganze Gesellschaft beleben.

Übrigens - alle bezahlen ihr Menü aus der eigenen Tasche. Kein Euro aus der Wohltätigkeits-"Kriegs-Kasse" wird abgezweigt. Für nichts und niemand, Spesen tauchen nicht auf bei diesem Dame-Spiel mit eisernen Regeln.

erschienen am 15. Oktober 2011 im "Mannheimer Morgen", Stadtausgabe

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